NEUE STOFFE IM STIL DER 60ER - INNERE WERTE

Wolfgang Schaeffer

 · 21.03.2026

Der Schweizer Designmöbelhersteller Vitra fertigt drei seiner ikonischen Stühle in limitierter Auflage für Porsche. Als Besonderheit sind die Klassiker mit dem Original-Pepita-Stoff des Sportwagenherstellers bezogen. Ihre Premiere feiern die Produkte im Rahmen der „The Art of Dreams“-Veranstaltung in Mailand. In dem Zusammenhang entstand dieses Foto.
Foto: Porsche AG

Mode vergeht, Stil bleibt. Diese von Coco Chanel geprägte Erkenntnis trifft auch auf die Ästhetik von Porsche zu. Designchef Michael Mauer sieht dabei das Angebot ikonischer Stoffmuster für historische Sportwagen, Youngtimer und Neuwagen als wichtigen Punkt für die Identität der Marke.

Pepita, Schottenkaro, Pascha oder auch Nadelstreifen sind Klassiker im Porsche-Innenraum. Dabei sind es eben nicht nur Besitzer von Old-oder Youngtimern, die bei einer Restaurierung den Auslieferungszustand möglichst exakt wieder herstellen wollen. Auch aktuelle Modelle des Sportwagenherstellers werden auf Wunsch von der Porsche Exclusive Manufaktur mit den traditionellen Stoffmustern veredelt.

Porsche hat es dabei geschafft, die Textilien nicht nur in unterschiedlichen Farbversionen wieder ins Angebot zu nehmen. „Besonders wichtig war es uns, dass wir mit den Stoffen auch unser Qualitätsversprechen einhalten. Im Markt finden sich leider viele Imitationen, die entweder gar nicht als Sitzstoff geeignet sind oder bereits nach kurzer Zeit ihre Optik verlieren. Deshalb war es alternativlos, unseren Kunden wieder eine getestete Original-Alternative bieten“, betont Ulrike Lutz, Leiterin Classic bei Porsche.

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VOR DER NEUPRODUKTION STAND DIE RECHERCHE

Doch um einen geeigneten Lieferanten zur Herstellung der Neuauflage alter Stoffe zu finden, mussten die Klassik-Experten erst einmal ins Unternehmensarchiv abtauchen. Es galt, Informationen über Qualität und Farben zusammenzutragen. Die umfangreichen Recherchen ergaben zudem Hinweise auf kleinste Bestände noch vorhandener Lagerware. Die kaufte Porsche zu Anschauungszwecken ein, denn schließlich bei Porsche. musste der zukünftige Lieferant Haptik, Langlebigkeit und Exaktheit der komplizierten Muster und Farbkombinationen garantieren. „Häufig muss der Sattler nur den Fahrersitz frisch beziehen. Dann ist es unser Anspruch, dass dieser weiterhin optisch zum Beifahrersitz passt, der ja in der Regel noch einen alten Bezug hat“, weist Produktmanager Lukas Werginz auf einen der vielen Aspekte hin, die es zu berücksichtigen gibt. In den USA fanden die Fachleute beispielsweise einen unberührten 911-Sitz. Der war 1975 mit grünem Schottenkaro bezogen worden, stand seither unbenutzt und ohne jeglichen Lichteinfluss in einem Schrank. Ein Fund, der im Hinblick auf die Qualitätsausrichtung der neuen Stoffe so etwas wie ein Sechser im Lotto war.

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Mit den jetzt verfügbaren Materialien lässt sich das Interieur wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen. Dabei ist es unerheblich, ob eine Erneuerung wegen Verschleiß erforderlich geworden ist oder weil möglicherweise ein historisch unkorrektes Interieur-Design nachgerüstet wurde, verspricht die Porsche Classic-Abteilung. Als Referenz für den Ur-Zustand dient das Technische Zertifikat für Porsche-Klassiker. Bei den Stoffen stehen außerdem Feuerfestigkeit, Licht-und Farbechtheit sowie Abrieb auf dem Prüfstand. Damit sind Anwendungen beispielsweise auf den Sitzbezügen oder an den Seitenverkleidungen möglich. Besonders gefragt bei den Kunden mit Klassiker-Fahrzeugen sind derzeit die Stoffvarianten „Porsche Schriftzug Stoff schwarz“ und „Porsche Schriftzug Stoff nachtblau“. Eingesetzt wird das Material im Format 1,5 x 2 Meter an den unterschiedlichsten Stellen im Auto.

„DER LOOK DES 911 SPIRIT 70 HAT MICH NACHHALTIG BEEINDRUCKT UND INSPIRIERT. SOLCHE 1970ER-JAHRE-VIBES WOLLTE ICH UNBEDINGT AUCH FÜR MEINEN CAYENNE.“

KLASSISCHE STOFFE AUCH FÜR PORSCHE-NEUWAGEN

Um die Werte der Marke Porsche auch in die Zukunft zu tragen, erfüllt die Exclusive Manufaktur auch Wünsche von Neuwagenkunden. Die Auftragsbücher für Interieur-Pakete mit historischer Inspiration sind bei den Neufahrzeugen gut gefüllt. Bestseller im vergangenen Jahr war über alle Baureihen hinweg die Version „Lederausstattung in Schwarz mit Schottenkaro“. Ebenfalls beliebt sind die „Lederausstattung Clubleder in Basaltschwarz und Textil Pascha in Schwarz/ Darksilver“, „Lederausstattung Clubleder in Basaltschwarz und Textil Pascha in Schwarz/Olive“, „NeoRace-Tex mit Pepita schwarz“ sowie „Race-Tex mit Pepita schwarz/schiefergrau“.

Pepita hat bei Porsche-Kunden also bis heute einen sehr hohen Stellenwert. Zwar reicht die Geschichte des kleinkarierten Webmusters zurück bis in die Antike, doch Namensgeberin der kleinen Karos war letztlich die berühmte spanische Tänzerin Josefa Durán y Ortega, die unter ihrem Künstlernamen Pepita de Oliva im 19. Jahrhundert große Erfolge feierte. Christian Dior verhalf dem Muster 1947 schließlich zum Durchbruch in der Mode, als er seine Damenkollektion erstmals mit Pepita ausstattete. Zuvor wurde das Muster fast ausschließlich in England für Herren-Kleidung verwendet. Doch Dior setzte mit seinem New Look nicht nur einen neuen Trend in der Haute Couture, sondern legte den Grundstein für einen Klassiker. Pepita stand und steht von da an für Eleganz und Chic. Es dauerte bis Anfang der 1960er Jahre, ehe dieser besondere Chic auch einen Porsche schmückte. Auf Wunsch und in Einzelfällen wurden die Sitze mit Pepita-Stoff bezogen. Aufgrund der steigenden Nachfrage nahm der Sportwagenhersteller Pepita 1965 erstmals als offizielle Ausstattungsoption ins Programm für den 911. Seither gilt das Muster als ikonisches Stilelement für viele Porsche-Fahrer. Außer der klassischen Ausführung in Schwarz-Weiß stehen von 1966 an auch die Farbkombinationen Schwarz-Rot-Weiß und Schwarz-Braun-Weiß zur Wahl. Allerdings wird nicht nur Pepita von Porsche-Fahrern sehr geschätzt.

DER 911 TURBO „NR. 1“ WAR AUCH DER ERSTE PORSCHE MIT SCHOTTENKARO

Schottenkaro, auch Tartan genannt, sowie die bereits genannten Stoffe sind ebenfalls sehr gefragt, um die Autos entweder zu individualisieren, aufzuhübschen oder aber wieder möglichst nahe an den Originalzustand heranzubringen. Louise Piëch, die Grande Dame der Familien Porsche und Piëch, war es übrigens vergönnt, den ersten mit Tartan-Stoff ausgestatteten Porsche zu fahren. Zu ihrem 70. Geburtstag am 29. August 1974 schenkt Ferry Porsche seiner Schwester Louise einen besonderen Prototyp aus dem Entwicklungszentrum in Weissach: Es ist der 911 Turbo „Nr. 1“. Der Wagen ist nicht nur der erste Elfer für die Straße mit Turbolader, sondern innen mit rotem Leder gepolstert und die Sitzmittelbahnen sind im rot-blauen Tartan-Muster mit der Bezeichnung „McLaughlan“ ausgeführt. Ein Jahr zuvor feierte das Schottenkaro Weltpremiere in einem Auto. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main präsentierte Porsche die Studie eines 911 RSR Turbo mit Sitzmittelstreifen und Seitenwangen in Tartan „Black Watch“ in Schwarz, Blau und Grün. Bis heute hält sich die Legende, wie es zur Einführung von Stoffen mit Schottenkaros in Porsche-Fahrzeugen gekommen ist. Es soll der damalige Chefdesigner Anatole Lapine gewesen sein, der eines Tages mit einer Tartan-Hose zur Arbeit erschien und damit den entscheidenden Impuls auslöste.

Tartan-Muster standen und stehen bis heute in Schottland für die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan, einer Familie oder einer Region. Stoffe mit Schottenkaro symbolisieren damit außer Tradition und Handwerkskunst auch das Gefühl von Zugehörigkeit und Identität. Bei Porsche gab es 1974 zunächst drei unterschiedliche Tartans exklusiv in der Ausstattungsliste des 911 Turbo. Im Modelljahr 1976 wurde das Angebot auf die gesamte 911-Palette ausgeweitet.

Von Anfang an über die ganze Bandbreite der Modellreihen stand das Pascha-Muster auf der Liste der Wunschausstattungen. Erstmals war der optisch wie eine wehende Zielflagge wirkende Stoff 1977 in einem 928 zu sehen. Der Zuspruch war derart groß, dass Pascha anschließend auch für den 911, den 924 und den 944 zu bestellen war. Vor gut fünf Jahrzehnten hatte das Designteam um Anatole Lapine und Vlasta Hatter das Muster auf Basis der Poster des legendären Erich Strenger entwickelt. Die speziell angeordneten und unterschiedlich großen Rechtecke im Muster vermitteln den Eindruck von Bewegung. Damit wollten die Designer die für Porsche typische Dynamik visuell in den Innenraum transportieren. Im April des vergangenen Jahres kam Pascha zu neuen Ehren. Im auf 1.500 Einheiten limitierten Sondermodell 911 Spirit 70 wurde das Muster erstmals wieder in einem Neufahrzeug eingesetzt. Allerdings entschieden sich die Verantwortlichen bei Porsche, das einstmals verwendete Jacquard-Velours durch einen mit Flockgarnen kombinierten Stoff zu ersetzen. Damit entstehen, so die Designer, ein noch sportlicherer Charakter, eine verbesserte Haptik und mehr Komfort insbesondere bei längeren Fahrten. „Historische Designelemente sind ein wichtiger Teil unserer Marken-DNA“, sagt Michael Mauer. „Über die Jahre hinweg haben entsprechende Stoffe und Muster die Interieurs unserer Sportwagen geprägt. Diese einzigartigen Elemente tragen wir in die Zukunft. Dabei ist es wichtig, stilprägende Muster zeitgemäß neu zu interpretieren. Der Erfolg bestätigt das Konzept: Historisch inspirierte Materialien in Anlehnung an beispielsweise Pepita oder Tartan erfreuen sich großer Nachfrage.“ Wie sagte doch Coco Chanel? Mode vergeht, Stil bleibt.

​Erschienen in Ausgabe 3-2026