MODELLAUTOS – PORSCHE TARGAANDERS OFFEN

Andreas A. Berse

 · 06.08.2026

Bild 1
Foto: Markus Bolsinger

In dieser Werkstatt ist das Knistern auskühlender Boxer-Sextette zu Hause, wabert wie ein mystischer Nebel durch die heilige Halle. Alle Targa sind heute vor Ort im Porsche Museum in Zuffenhausen. Und dazu stehen die Youngtimer und Klassiker in 1:X des Autors im Rampenlicht. Auswahlkriterium: anarchistische Willkür. Was der Targa-Sammler haben muss?

Beginnen wir mit Klassikern, die es als Modellautos nur noch antiquarisch zu kaufen gibt. Blicken wir zuerst nach Lüdenscheid: Vor 60 Jahren brachte Siku seinen 911 Targa aus Zinkdruckguss in den Handel – in Silbermetallic mit festem, aber in Schwarz lackiertem Dach und beweglichen Türen sowie orangefarbener Innenrichtung. Unser Fotomuster in 1:60 ist eine spätere Version und hat deshalb modernere Räder. Ein Jahr danach debütierte bei Corgi in 1:43 aus Diecast der Porsche 911 S. Es gab ihn in einer Farbe nahe dem Busch-grün. Das Dachteil war auch hier fest, unsere Version des Corgi-Modells Nummer 382 von der britischen Insel rollt auf leichtlaufenden Whizzard-Wheels. Das Interieur trug immer Orange, weil am selben Kunststoffteil der Inneneinrichtungen auch die Blinker vorne und hinten hingen. Türen und Motorhaube sind beweglich, die Sitzlehnen vorne klappbar. Ende der Sechziger debütierte der Targa in Göppingen in der Märklin-Serie RAK, auch 1800er-Linie genannt. Unser Fotomodell ist in Bahiarot lackiert, hat ein herausnehmbares Dachteil und bewegliche Türen. Ungewöhnlich: Bei geöffneten Türen bleiben die Dreiecksfenster an der Windschutzscheibe.

DIE NEUDEFINITION DES OFFENEN PRINZIPS

Zur IAA vor 31 Jahren zeigte Porsche erstmals den 993 als Targa. Der hatte ein komplett anderes Konzept: Ein großes Glasdach fährt elektrisch betätigt nach innen vor die Heckscheibe. Die Originale sind heute gesucht und werden langsam teuer. Minichamps baute das 1:43-Modell in Diecast als Industriemodell (WAP 020 012). Es ist auf unseren Bildern in Türkis lackiert. Gag dabei: Minichamps konstruierte den 1:43-Heckflügel ausfahrbar. 2022 gab der Porsche 911 als F-Modell und Targa bei Norev in der Baugröße 1:43 aus der preiswerten Jet-Serie sein Debüt. Dieses Diecast-Modell ist heute noch lieferbar, kostet weniger als 15 Euro und hat trotzdem eine überragende Design-Qualität. Preis-Leistungs-Verhältnis: Pole-verdächtig!

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Ebenfalls lieferbar bei Norev sind drei weitere 1:18-Modelle mit Diecast-Karosserie. Machen wir es chronologisch. Die F-Serie (69,95 Euro) tritt mit Fuchs-Felgen und in Bahamagelb samt schwarzem Interieur an. Die Karosserie bleibt geschlossen, das Dach ist herausnehmbar, die Karomuster auf den Sitzen mit Decals nachgeahmt. Beim 911 aus der Generation 964 (99,95 Euro) baut Norev aber ein Diecast-Modell im „All-Open-Trimm“. Unserer war dank mintgrüner perfekter Lackierung unübersehbar und hatte ein hellgraues Interieur. Auch hier ist das Dach herausnehmbar. Kofferraum und der Innenraumboden werden beflockt. Anfang 2026 in die Auslieferung kam bei Norev der aktuelle Targa als 992 (115 Euro). Er trägt wiederum Bahamagelb, das dort aber originalgetreu etwas dunkler ausfällt als beim F-Modell. Dachteil, Türen und Hauben sind beweglich und die Vorderräder wie bei allen Norev-1:18-Modellen lenkbar.

Fehlt noch der G? Aktuell lieferbar ist er bei Minichamps in 1:18 als Carrera Targa von 1983 in einem wunderschönen Signalorange mit schwarzen Sitzen, im „All-open“-Trimm samt herausnehmbaren Targa-Dach und Kofferraumboden für knapp 200 Euro. Und: Wir zeigen das mittlerweile antiquarische 1:12-Modell von Premium Classixxs und später Schuco aus Diecast im All-Open-Trimm. In diesem Maßstab immer noch ein Benchmark.

MINICHAMPS FEILT AM ÜBER-TARGA!

Dann wäre da noch unser zweites Hammer-Geheimnis in dieser Story. Minichamps feilt gerade im Endstadium an einem Porsche 911/992 (299 Euro) mit einem funktionstüchtigen Dach – in 1:18. Da versenkt sich also das Dachteil ins Heck (299 Euro). Hier zu besichtigen in Karminrot. In 1:87 hat Aachen außerdem für je 24,95 Euro folgende Bügel-Elfer parat: 991 (992), 911 F-Modell, 911 (991).

Das Beste zum Schluss: Porsche Lifestyle liefert, gebaut von Minichamps, den aktuellen 911 Carrera 4 GTS (992) in Schwarz als Edition „50 Jahre Porsche Design“ in 1:18 in Diecast und im gleichen Look den 911 S 2.4 Targa von 1972 (beide 159 Euro).

Beim Fotografieren haben wir die Welt um uns herum vergessen! Bis ein Anlasser rotiert und sechs Zylinder zum Leben erweckt, die zunächst kehlig-rauchzart röcheln. Ein paar Gasstöße später huscht der rote Dreiliter mit schwarzem Bügel durch die geöffnete Werkstatttür und pfeilt nach rechts. Sucht er den Windschatten eines Ford GT 40?

​​Erschienen in Ausgabe 4-2026

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