MAGAZIN BY ELFERSPOT – KORBINIAN ENGSTLER"DU BRAUCHST NICHT HIGH END!"

Richard Lindhorst

 · 02.01.2026

Mit dem Mountainbike macht Korbinian Engstler Dinge, die sich wohl nur die wenigsten trauen würden.
Foto: Janik Steiner

Ich bin kein Profi, ich fahre keine Rennen mehr – ich will auf dem Fahrrad einfach eine gute Zeit haben“, fasst Korbinian Engstler sein Leben auf zwei Rädern zusammen. Vor fünf Jahren wagte er den Schritt, sich mit seinem Hobby selbstständig zu machen. Heute ist er einer der bekanntesten Content-Creator der Zweiradszene.

„Meinen Eltern hatte ich versprochen, mein Abitur und eine Ausbildung zu machen. Nach der Schule habe ich also eine Lehre zum Industriekaufmann bei einem Hersteller für Kletterausrüstung gemacht“, sagt Engstler. „Als Teenager bin ich noch Fahrradrennen gefahren. Aber trotz der Erfolge habe ich gemerkt, dass das nicht meine wahre Leidenschaft ist“.

HOBBY UND BERUF

Während der Ausbildung sparte Korbinian Engstler jeden Cent, finanzierte sich damit nach seinem Abschluss eine sechswöchige Reise nach Kanada. „Nach der Ausbildung hätte ich in der Firma weiterarbeiten können, habe aber abgelehnt. Stattdessen bin ich mit meinem besten Freund nach Kanada geflogen und dort sechs Wochen Fahrrad gefahren. Das Highlight war ein 14 Meter weiter Sprung über eine Bahntrasse“. Die gemeinsam produzierten Videos dazu gingen kurz danach viral und aus Spaß wurde Beruf. „Dass das mal mein Job werden würde, hätte ich nie gedacht!“

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Die Leidenschaft für Autos ist dabei mindestens so alt wie die fürs Fahrrad. „In meiner Familie herrschte schon immer ein gewisses Auto-Interesse, mein Vater mochte Porsches – aber das war finanziell doch etwas zu weit weg. Trotzdem hatten er und mein Opa immer coole Autos, etwa einen Chevy Blazer Pick-up oder eine Ente“, sagt Engstler. „Aber auf einem Hof in der Nachbarschaft stand ein Auto, das mich als Kind total begeistert hat: ein 944. Die Klappscheinwerfer waren das Coolste überhaupt.“

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Den Traum des eigenen Transaxle-Porsche verwirklichte sich Korbinian Engstler 2021. „In Fürstenfeldbruck bei München fand ich einen silbernen, frühen 944. Mit dem Verkäufer, einem Professor der Ökonomie, wurde ich schnell einig. Wir schreiben heute noch ab und zu.“ Für ihn war der 944 allerdings kein Garagenstück, sondern ein echter Alltagsbegleiter. „Ich bin mit dem Mountainbike auf dem Dachträger regelmäßig an die umliegenden Bikeparks oder in die Berge gefahren“, sagt Engstler.

ERLEBEN STATT OPTIMIEREN

Wie die Fahrrad-Community darauf reagiert hat? „Darüber hatte ich mir anfangs schon ein bisschen Sorgen gemacht. Gerade in der Bikeszene sind die meisten mit einem Van unterwegs. Aber als erreichbarer Traumwagen hat der 944 alle begeistert.“

Korbinian Engstler sagt von sich selbst, dass er nicht die perfekte Linie suche, weder auf dem Bike noch auf der Straße. Es geht ihm ums Erleben, nicht ums Optimieren. „Ich fahre gar nicht so gern Schaltgetriebe, ich will den Moment genießen. Der Sound, das Gefühl, die Landschaft – das zählt“, so der Allgäuer. Deshalb kam ihm die viel geschmähte Dreigang-Automatik in seinem 944 ganz recht. Zumal ihn etwas ganz anderes als die Fahrleistungen am 944 fasziniert. „Das Design und die Klappscheinwerfer machen ihn total cool. Und wer keine Ahnung von Autos hat, identifiziert ihn auch nicht sofort als Porsche. Ich mag auch neue Autos, aber wenn ich mich in einen alten Porsche setze, denke ich mir: Das ist schon nochmal geiler!“

„GERADE IN DER BIKESZENE SIND DIE MEISTEN MIT EINEM VAN UNTERWEGS. ABER ALS ERREICHBARER TRAUMWAGEN HAT DER 944 ALLE BEGEISTERT.“

Angst vor Blessuren habe er keine gehabt. „Mit dem 944 bin ich manchmal einfach aus dem Dorf herausgefahren und habe auf Feldwegen ein bisschen Driften geübt.“ Das erklärt auch Korbinian Engstlers Faible für eine bestimmte Art Umbau: „Diese hochgelegten 944-Safari-Umbauten finde ich total geil. Mit so einem Auto offroad zu fahren, ist einfach nur cool!“

OLDSCHOOL STATT VIRTUELL

Knapp vier Jahre später gab er den 944 an seinen besten Freund weiter. Denn es tat sich eine Gelegenheit auf, die er nicht verstreichen lassen wollte. „Ein Freund wollte auf einen Camper umsteigen und hatte ein rotes G-Serie-Modell zu verkaufen, einen 911 Carrera 3.2. Indischrot war eigentlich nicht meine erste Wahl, aber ich hab’ mich reingesetzt und sofort gemerkt, dass es passt“, erinnert sich Korbinian an den besonderen Tag, als er von Frontmotor- auf Heckmotor-Porsche umstieg.

„Gerade mit dem 915-Getriebe ist alles so oldschool und roh – das gefällt mir an dem Auto“. Mit seiner Freundin Charlotte fährt Korbinian am liebsten aus. „Charlotte hat in dem Auto sogar fahren gelernt. Mittlerweile fährt sie darin besser an als ich! Am schönsten ist es, wenn wir zum Beispiel zum Bodensee in Richtung Sonnenuntergang fahren. Das Radio ist ohnehin kaputt, also hört man nur den Klang des Motors. Das sind für mich die besten Vibes.“

Den 944 vermisst er trotzdem manchmal. „Neulich bin ich einen 944 Turbo S gefahren und hab’ mich gefragt, ob ich nicht doch eher der 944-Typ bin. Der fährt einfach mehr unter dem Radar. Beim Elfer wissen alle gleich, was Sache ist“, fasst er sein Faible für die mitunter unterbewerteten Transaxle-Typen zusammen.

Doch spätestens nach dem ersten Besuch mit dem Elfer bei der Familie waren alle Sorgen wie weggewischt. „Meine Familie ist fast durchgedreht! Unsere Eltern haben für uns und das Haus gebuckelt, aber nicht für sowas. Mein Papa hat sich so für mich gefreut, dass ich so ein Auto kaufen kann. Der hatte sogar feuchte Augen!“

Zweiradszene, Porsche. Wie kommt es zu dieser häufigen Verbindung? „Wenn’s auf Social Media nicht läuft, kauf’ dir ’ne coole Karre und spann ein Fahrrad hinten drauf“, witzelt Engstler zunächst. Doch dann bringt er seine Sicht auf den Punkt: „Ich glaube, es ist die Ästhetik. Viele von uns sind mittlerweile eher kreativ als leistungsorientiert. Da passen vor allem klassische Porsche einfach sehr gut rein.“

Korbinian Engstler hat schon viele Orte auf der Welt bereist, um beeindruckende Aufnahmen auf dem Fahrrad zu machen. Ob in Island, Namibia oder Vancouver – häufig dachte er sich: „Hier wär ich jetzt gern mit meinem Porsche.“ Besonders beeindruckt haben ihn die Backroads Afrikas. Für die Zukunft träumt er von einer Tour durch die Toskana, vielleicht mit einem Safari-Umbau – Bikes oben drauf. Sein Ziel: der Ätna auf Sizilien.

Die ganz große Porsche-Community, die Treffen, seien gar nicht so sein Ding. „Ich fahre am liebsten mit meinen engen Freunden, mit denen ich die Momente teilen und genießen kann. Gleichzeitig bin ich aber total offen, was das Teilen der Leidenschaft angeht. Ich habe meinen Nachbarn oft mit meinen Autos fahren lassen und ihn so mit dem Elfer-Virus infiziert. Er hat sich vor kurzem einen 997 Carrera 4S gekauft.“

Kein Interviewgast kommt um diese Frage herum: Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was wäre dein Traum-Porsche? Korbinian Engstler hat auch diese Antwort sofort parat: „Ein Porsche 996 GT2. Kein ESP, nur ABS – einfach pur. Wenn ich den sehe, bekomme ich Gänsehaut.“ Auch ein 996 Turbo würde ihn reizen. „Generell finde ich den 996 spannend. Er fällt aus dem Rahmen – und das war schon immer mein Ding. Du brauchst nicht High-End. Wer sich wirklich mit der Sache beschäftigt, kann auch mit etwas Einfacherem unglaubliche Momente erleben.“