Jan-Henrik Muche
· 07.01.2026
Mit Superlativen sollte man sparsam umgehen, aber schon bei der Vorstellung des 911 Carrera GTS im Sommer letzten Jahres waren wir uns sicher, dass dies eine, vielleicht sogar die wichtigste Zäsur seit Einführung des Turboladers vor 50 Jahren sei. Zum ersten Mal trat ein Elfer mit E-Power-Unterstützung an, erstmals war der Sechszylinder-Boxermotor, die große Konstante der 911-Historie, nicht mehr genug.
Und natürlich muss der Turbo S als Spitzenmodell der Baureihe liefern! Größter Unterschied im Vergleich zum GTS mit nur einem „eTurbo“: Der 3,6-Liter-Boxermotor des Turbo S mit T-Hybrid-Technologie kommt mit elektrischer Biturbo-Aufladung, also mit zwei speziell auf das für die Generation T-Hybrid neu entwickelte Triebwerk abgestimmten Ladern. Zwischen Verdichter- und Turbinenrad platzierte E-Maschinen bringen die E-Turbos unabhängig von der Motordrehzahl auf Touren.
Zu den 640 PS des Biturbo-Triebwerks addieren sich 71 PS der in das Achtgang-PDK integrierten 400-V-E-Maschine hinzu, was in Summe eine Systemleistung von 711 PS zwischen 6.500 und 7.000 U/min ergibt – nie war ein serienmäßiger Elfer stärker. Auch das maximale Drehmoment des kombinierten Antriebsstrangs erreicht mit 800 Nm zwischen 2.300 und 6.000 U/min einen neuen Bestwert.
Dass nicht nur die Leistung, sondern auch der Komfort ein wichtiger Faktor ist, gehört traditionell zum 911-Turbo-Konzept. „Wir konnten den neuen Turbo S im Vergleich zum Vorgänger noch komfortabler, individueller und gleichzeitig deutlich schneller machen“, sagt 911 und 718-Baureihen-Leiter Frank Moser.
So übernimmt der T-Hybrid Antriebsstrang mit seinem Hochvolt-Bordnetz auch die Steuerung des Fahrwerks. Die elektrohydraulische Dynamic Chassis Control, zuständig für Komfort, Stabilität und Agilität in Kurven, ist beim Turbo S serienmäßig.
Das Hybrid-System leistet viel und wiegt schwer: 85 Kilogramm beträgt das Mehrgewicht im Vergleich zum Vorgänger, das Leergewicht des Turbo S der Generation 992.2 liegt bei 1.725 Kilogramm. Und trotzdem: Mit einer Zeit von 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h ist der neue Turbo S um 0,2 Sekunden schneller als der 650 PS starke Vorgänger. Für den Sprint auf Tempo 200 km/h vergehen nur noch 8,4 Sekunden, die Spitze liegt bei 322 km/h. Noch größer ist der Unterschied auf der Rennstrecke. Auf der Nürburgring-Nordschleife nimmt der neue dem alten 911 Turbo S rund 14 Sekunden ab.
Die serienmäßige, mit neuen Bremsbelägen ausgerüstete PCCB-Bremsanlage reiht sich in die Liste der Superlative ein. Mit Bremsscheiben im Durchmesser von 420 mm (vorn) und 410 mm (hinten) ist sie die größte, die Porsche jemals in einem Sportwagen verbaut hat. An der Hinterachse kommen nun zehn Millimeter breitere Reifen der Dimension 325/30 ZR 21 zum Einsatz, während an der Vorderachse wie beim Vorgänger Reifen der Dimension 255/35 ZR 20 montiert sind.
Das Design der Front ähnelt dem der GTS-Version. Die mitdenkende, mitarbeitende Aerodynamik verringert je nach Fahrsituation den Auftrieb oder im eingefahrenen Zustand den Luftwiderstand. Aktive, vertikal angeordnete Kühlluftklappen in der Fahrzeugfront und ein aktiver Frontdiffusor arbeiten im Zusammenspiel mit der vom Vorgänger übernommenen variablen Lippe des Bugspoilers und dem ausfahr- sowie kippbaren Heckflügel an der je nach Situation passgenauen Aerodynamik.
Turbo-typisch ist die im Vergleich zum Carrera deutlich breiter bauende Karosserie mit den Öffnungen in den hinteren Seitenteilen. Turbo-neu ist die Abgasanlage mit Endschalldämpfer und Endrohrblenden aus Titan, die fast sieben Kilogramm Gewicht einsparen soll. „Turbonit“ ist das Thema bei der Gestaltung von Porsche-Wappen, Schriftzug am Heck und den Rädern. Auch der Innenraum trägt Bauteile und Applikationen in dem grau-metallisch schimmernden Farbton, der exklusiv den Turbo-Typen im Modellprogramm vorbehalten ist.
Als Coupé wird der 992.2 Turbo S serienmäßig als Zweisitzer ausgeliefert. Auf Wunsch wird die Rücksitzanlage aufpreisfrei mitgeliefert oder gegen Aufpreis der aus dem GT3 bekannte klappbare Leichtbau-Sportschalensitz verbaut. Beim Cabrio sind Sitze in der zweiten Reihe obligatorisch. Der Turbo S als Coupé steht mit 271.000 Euro in der Preisliste, die Cabrio-Version kostet 285.200 Euro.