Porsche Fahrer
· 18.02.2026
Susele Piotto Vogt steuert ihren 911 Dakar durch die dichte Vegetation Brasiliens, als sich der Blick auf einen Fluss öffnet. Die 49-Jährige nimmt gemeinsam mit Ehemann Fredy (56) und Sohn João Pedro (14) an der 33. Rallye dos Sertões teil – einem Offroad-Abenteuer, das seit 1993 jährlich ausgetragen wird und als härtestes Rennen Südamerikas gilt. Ihr Fahrzeug ist der erste Porsche in der Geschichte dieser Veranstaltung.
Die Familie startete in der Kategorie „Expedition", die außerhalb der offiziellen Wertung läuft. Von ihrem Heimatort Campo Largo im Südosten des Landes fuhren sie zunächst 1.200 Kilometer bis zum offiziellen Rallye-Start in Goiânia. Die eigentliche Rallye-Strecke umfasste 3.482 Kilometer bis zum Ziel in Marechal Deodoro an der Küste von Alagoas. Die Rückfahrt absolvierten sie ebenfalls auf eigener Achse. Bilanz nach zwei Wochen: 7.440 Kilometer.
Am Flussufer herrscht zunächst Unsicherheit den Teilnehmern. Ein Guide schlägt vor, die Wassertiefe zu prüfen. Susele gibt Gas und durchquert den Fluss ohne Probleme. „War das schon alles?", erinnert sie sich an ihre Reaktion am gegenüberliegenden Ufer. Ein bezeichnender Moment gleich zu Beginn der Tour – und die Bestätigung, mit dem Dakar die richtige Wahl getroffen zu haben.
Die Liebe zu Autos stand am Anfang der gemeinsamen Geschichte von Fredy und Susele. Fredy leitet eine Fabrik für Zahn- und Neurochirurgie-Implantate und fuhr in seiner Jugend Dragster-Rennen. Susele führt einen Baumarkt. Die gemeinsame Porsche-Geschichte begann vor der Geburt ihres Sohnes. „Wir hatten uns in einen Sportwagen verliebt", erinnert sich Fredy. „Doch als wir von Suseles Schwangerschaft erfuhren, sagten wir: ‚Lass uns besser ein SUV mit Sportwagengenen nehmen.' Also entschieden wir uns für einen Cayenne."
Seither wuchs die Modellvielfalt stetig. „Ob Cayman, Macan, Taycan oder Panamera E-Hybrid", zählt Fredy auf. „Diverse 911-Generationen, 718 Boxster oder Cayenne. Wir haben nahezu jedes neue Modell ausprobiert. Wir sind einfach eine Porsche-Familie." Nicht alle Fahrzeuge bleiben im Besitz – mit jedem Neuzugang muss oft ein anderes weichen. Besonders beeindruckt zeigte sich Fredy vom Taycan: „Seine Leistung und das unmittelbare Ansprechverhalten sind enorm." Der Panamera E-Hybrid war ein Wendepunkt: „Er kam während eines landesweiten Lkw-Streiks, als Benzin knapp war. Ich fuhr 1.800 Kilometer mit einer Tankfüllung – das war ein völlig neues Gefühl."
In Campo Largo, einer Kleinstadt nahe Curitiba, verfügt das einstöckige Haus der Familie über eine große Garage mit dem 911 Dakar als Mittelpunkt. Daneben stehen Oldtimer – anderem ein Chevrolet Opala und ein Fiat 147 – sowie Trail-Motorräder und mehrere UTVs. Ein angrenzender Raum beherbergt hunderte automobile Devotionalien, von Rennhelmen über Modellautos bis hin zu Porsche-Club-Bannern.
Susele nutzt den 911 täglich. „Ich nutze den 911 täglich – zum Einkaufen, zur Arbeit, manchmal sogar zum Transport von Materialien", erzählt sie. Fredy ergänzt: „Wir kaufen Autos, um sie zu fahren. Es geht um die Dynamik, das Gefühl und das Erlebnis, morgens mit einem Porsche zur Arbeit zu fahren."
Viermal zuvor hatte die Familie mit UTVs an der Rallye dos Sertões teilgenommen. Bei der aktuellen Ausgabe wechselten sich Susele und Fredy zwischen dem 911 Dakar und einem SUV ab, João Pedro hatte freie Platzwahl. Obwohl seine Eltern sich beim Fahren stets abwechseln, hat der 14-Jährige klare Pläne: „Wenn ich 18 bin, übernehme ich", sagt er.
Die erste Tour mit dem 911 Dakar führte nach Praia do Cassino in Rio Grande do Sul – mit 220 Kilometern der längste Strand der Welt – und weiter nach Chui in Uruguay. Regelmäßig reist die Familie zu Aktivitäten des Porsche Clubs Brasil, zu Track Days oder Veranstaltungen wie dem 24-Stunden-Rennen in Le Mans, der Porsche Ice Experience in Finnland und dem 911 Camp in Namibia. 1997 begann Porsche mit dem Verkauf von Sportwagen in Brasilien, 2015 folgte die Gründung der Tochtergesellschaft Porsche Brasil.
Bei der Rallye dos Sertões diente der 911 Dakar nicht nur als Fahrzeug, sondern auch als Unterkunft. „Zu Beginn gab es Zweifel, ob ein 911 der Strecke gewachsen ist", gibt Susele zu. „Aber nach der Flussdurchquerung waren die schnell vergessen. Außerdem diente uns der Dakar auch als Hotel – wir schliefen im Dachzelt mitten in der wilden Natur. Alles in allem war es eine unvergessliche Erfahrung."
Die Familie bewältigte Schotterpisten, Flüsse und die wilde Vegetation Brasiliens. Neben Motorrädern, Quads und speziellen Geländefahrzeugen für den Offroad-Einsatz zog der 911 Dakar alle Blicke auf sich. Die Rallye führte durch verschiedene Regionen des Landes, von den Araukarienwäldern im Süden bis zur Küste im Nordosten.
Bei der Musikauswahl während der Reisen zeigen sich Unterschiede in der Familie. „Mein Vater hat meinen Musikgeschmack geprägt: AC/DC, Iron Maiden, Black Sabbath, Deep Purple", erzählt João Pedro. „Jetzt bringe ich ihn ein bisschen zu Hip-Hop. Meine Mutter dagegen hört lieber brasilianische Künstler." „Deshalb fahre ich manchmal lieber allein", lacht Susele.
| Merkmal | Wert |
| Strecke Rallye dos Sertões | 3.482 km |
| Gesamtstrecke inkl. An-/Abreise | 7.440 km |
| Dauer | 2 Wochen |
| Entfernung Campo Largo–Goiânia | 1.200 km |
| Besitz Familie Piotto Vogt | über 19 Porsche-Modelle |