Porsche Klassik
· 04.02.2024
Stefan Schober steht vor seinem neuesten Porsche, der gleichzeitig sein ältester ist, schaut über die Windschutzscheibe in Richtung Bodensee, dann hoch in den blauen Himmel, in dem vereinzelte Quellwölkchen für interessante Lichtspiele sorgen, und sagt: »Wie sich die Farbe des Autos gerade verändert – unglaublich stark.« Unten, den Hügel hinab, ruht das größte Binnengewässer Deutschlands. Hier, inmitten von Obstbäumen und weiten Wiesen, begeistert ein G-Modell in Meteormetallic mit Lichtspielen in edlem Grau bis zum strahlendem Violett als zeitlose Schönheit in ebenfalls unaufgeregter Art – zumindest, solange der Motor nicht gestartet wird.
In der Pressemitteilung 21/81 stellte Porsche, nach eigenen Angaben die »kleinste deutsche Automobilfabrik«, 1981 drei exklusiv ausgestattete Sondermodelle in begrenzter Stückzahl vor: »nur 600 Porsche 924 in der Farbe Zinnmetallic, 200 Porsche 911 SC in Meteormetallic und 140 Porsche 928 S, ebenfalls in Meteormetallic«. Von der besonderen Lackierung, die erst 1984 in Serie ging, schwärmt nun 42 Jahre später Stefan Schober, der das Sondermodell im Herbst 2022 unweit seiner Heimat Konstanz entdeckte und seither immer wieder auf neue einzigartige Details an seinem Oldie stößt.
Auch bei Porsche war man stolz auf das erst zweite Sondermodell mit seiner »aufwendigen Ausstattung, die sonst nicht einmal auf Sonderwunsch erhältlich ist«. Markantestes Erkennungsmerkmal waren die Kopfstützen, die der eingestickte Schriftzug »F. Porsche« zierte. Der Grund für die Sondermodelle laut Pressemitteilung: das »50-jährige Firmenjubiläum«. Ausgelobt im Jahr 1981 heißt das, dass 1931 alles angefangen haben soll. Viel früher demnach, als die 75-Jahre-Feierlichkeiten in diesem Jahr künden. 1948 wurde das erste Auto der Marke Porsche zugelassen: der 356 »No. 1« Roadster. Der Sportwagen, von dem Ferry Porsche immer träumte.
Schönheit innen und außen: Beeindruckende Aussichten für Stefan Schober, nicht nur jenseits der Windschutzscheibe.
Doch bereits 1931 gründete Ferdinand Porsche sein »Konstruktionsbüro«. Es war der Anfang der Weltmarke, das Fundament des heutigen Unternehmens. Am 25. April 1931 ließ Professor Ferdinand Porsche seine Firma offiziell ins Handelsregister eintragen. Von diesem Tag an existierte die »Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH, Konstruktionen und Beratung für Motoren und Fahrzeuge« mit Sitz in Stuttgart ganz amtlich. Es war ein visionärer Plan. Die Idee eines neutralen Konstruktionsbüros war zu dieser Zeit einzigartig in der Automobilwelt – und führte zur innovativen Keimzelle der deutschen Automobilindustrie.
Der 911 3.0 SC Coupé der G-Serie, umgangssprachlich auch »Sondermodell Ferry Porsche« genannt, ist Ausweis dieser imposanten Entwicklung. Das will uns nun auch Werkstatt-Besitzer Stefan Schober zeigen und dreht den Schlüssel im Zündschloss. Der auch in der Serie verbaute 3,0-Liter-Boxermotor mit 204 PS und 267 Newtonmeter Drehmoment produziert den bekannten Sound, der selbst bei der hundertsten Wiederholung den Emotionsdrehzahlmesser in die Höhe schnellen lässt. Die ersten Kurven um den Bodensee sind gefahren, da stellt sich die Gewissheit ein, dass dieser Wagen nicht nur von außen eine einzigartige Schönheit ist. So umwerfend die Umgebung hier im Süden der Republik ist – wir haben bislang noch nicht einmal aus dem Fenster geschaut.
Die Innenausstattung mit ihrer spektakulären Leder-Stoff-Kombination in Weinrot und Sitzmittelstreifen sowie Türtafeln, Fondseitenverkleidung und Rückwand in rotsilbernem Stoff hat die Jahrzehnte bestens überlebt – sowohl in Zustand als auch Design. Ein zeitloses Schmuckstück in seltenem Weinrot, vom Hochflor-Teppich über die Mittelkonsole und das Drei-Speichen-Lederlenkrad bis zur Dachverkleidung.
1948 wurde das erste Auto der Marke Porsche zugelassen. Doch bereits 1931 gründete Ferdinand Porsche sein »Konstruktionsbüro«.
»Dieser Porsche steht für mich für alles, was Porsche ausmacht. Diese Power, dieser Klang, dazu die unvergleichliche Optik. Einmal Porsche, immer Porsche – und es macht unheimlich Spaß«, sagt Schober, der im Alltag einen Cayenne fährt, die 25-Jahre-Edition des Boxster besitzt und auch einmal für mehrere Jahre einen GT3 in der Garage stehen hatte. »Seit meiner Jugend träume ich von Porsche. Diese Qualität, dieser Mythos – man muss sich einfach verlieben in dieses Auto.«
Die technischen Änderungen gegenüber dem Serienmodell halten sich bei der Ferry-Edition tatsächlich im Rahmen. Viel mehr glänzen die eher optischen Details wie die schwarzen 16-Zoll-Fuchsfelgen und eine silberne Frontspoilerlippe. Die Beliebtheit bei Sammlern ist aufgrund ebendieses einzigartigen Designs unglaublich hoch – auch Stefan Schober ist überglücklich, die Chance auf sein Jubiläumsmodell bekommen zu haben. Er steigt aus seinem 911 SC, der Lack schimmert tatsächlich wieder beeindruckend violett. »Ich bin schon sehr stolz auf diesen Wagen«, sagt er. Ganz so, wie es sich für einen Porsche gehört, der für tatsächlich mehr als 75 Jahre Erfolgsgeschichte steht.