PRE-HISTORISCH SCHÖNPORSCHE 356 PRE-A COUPÉ

Stephan Szantai

 · 14.08.2026

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Foto: Stephan Szantai

Es ist wahrscheinlich der Reiz des Ursprünglichen: Von allen Versionen und Ausführungen des Porsche 356 zeichnen sich die frühen Modelle durch eine – im absolut positiven Sinne – besondere Schlichtheit aus. Porsche nahm im Laufe der Zeit verschiedene Veränderungen am 356 vor; diese Modifizierungen waren jedoch nicht unbedingt dem Wunsch nach einer Verbesserung der Formgebung geschuldet, sondern vielmehr der Notwendigkeit, gesetzliche Vorschriften zu erfüllen. Und dazu gehörten stabilere Stoßstangen und höher positionierte Scheinwerfer. Das Design des hier vorgestellten Modells von 1951 verdeutlicht die formale Einfachheit der frühen 356, die zudem mit ihren zierlichen, nah an der Karosserie angebrachten Stoßstangen eine hervorragende Windschlüpfigkeit aufweisen.

Die ersten 356 (gebaut von 1948 bis 1950) entstanden in Gmünd, Österreich, die Aluminiumkarosserien wurden in Handarbeit gefertigt. Ihre Linienführung lässt den Wagen etwas geometrischer wirken, die Kotflügel waren im Vergleich zu den eleganteren, in Stuttgart produzierten Stahl-356 der frühen 1950er-Jahre weniger schwungvoll ausgeführt – trotzdem sind diese frühen Pre-A heute natürlich sehr gesuchte Exemplare.

DER SCHNELLE BRUDER DES KÄFERS

Porsches damaliger Chefdesigner Erwin Komenda gebührt in erster Linie die Anerkennung für die Gestaltung der Karosserie, die zu einer der ikonischsten Silhouetten der Automobilgeschichte wurde. Er ist auch für seine Beteiligung an der Entwicklung des VW Käfer in den 1930er-Jahren bekannt, als er mit Dr. Ferdinand Porsche zusammenarbeitete – tatsächlich lassen sich gewisse Übereinstimmungen zwischen den frühen VW und dem 356 erkennen. So weisen zum Beispiel beide ähnlich geschwungene Karosserieformen auf. Formen, die noch deutlicher wurden am Berlin-Rom-Wagen. Komenda arbeitete später mit Ferdinand Porsches Sohn Ferry zusammen, der die Entwicklung des 356 leitete. Obwohl er kein Designer im eigentlichen Sinne war, hatte Ferry Porsche eine sichere Vorstellungsgabe, die maßgeblich die eleganten Konturen des Fahrzeugs prägen sollte.

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Nach der kleinen Produktionsserie Ende der 1940er-Jahre beauftragte Porsche 1950 das Karosseriewerk Reutter in Stuttgart mit der Fertigung der Coupés, während die Herstellung der Cabriolets unter Reutter und dem Unternehmen Gläser-Karosserie in Weiden aufgeteilt wurde. Alle diese Fahrzeuge wurden von einem luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor mit 1086 cm³ und nur 40 PS angetrieben, der dem Coupé dennoch eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h ermöglichte. Sein Geheimnis? Ein Gewicht von unter 800 kg und eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Aerodynamik. Tatsächlich waren die Pre-A 356 für ihre Zeit sehr stromlinienförmig, mit minimalem Chromschmuck und fließenden Konturen. Man beachte die abgerundete Frontpartie, die Dachlinie und die Kotflügel … all das trägt zu einem harmonischen und organischen Erscheinungsbild bei.

Die von Reutter gebauten Coupés erfuhren ein Jahr später (1951) nur wenige größere Änderungen. Dazu gehörte ein neuer Motor mit der Typenbezeichnung 506, der aus 1286 cm³ nun 44 PS holte. Er verfügte über zwei 32-mm-Solex-Vergaser, und das Verdichtungsverhältnis betrug 6,5 : 1. Die Zeitschrift Auto, Motor und Sport führte im selben Jahr zahlreiche Tests durch, die unter anderem eine Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h ergaben. Eine beachtliche Leistung im Jahr 1951! Zum Vergleich: Der 1948 vorgestellte Morris Minor erreichte kaum 100 km/h.

Optisch zeichnete sich das Modell von 1951 durch ausstellbare Dreiecksfenster aus. Die Modelle von 1952 hingegen boten weitere Verbesserungen, wie beispielsweise eine ein- statt zweiteilige Windschutzscheibe und ein fast senkrecht hinter dem Frontblech stehendes Reserverad – beim Modell von 1951 lag das Reserverad noch platzraubend waagerecht im Kofferraum. Die Produktionszahlen des Modelljahres 1951 verteilten sich wie folgt: 810 „Reutter“-Coupés (fast doppelt so viele wie 1950), 231 „Reutter“-Cabriolets und 119 „Gläser“-Cabriolets. Und eines dieser Coupés soll nun im Mittelpunkt stehen.

GERADE 75 JAHRE JUNG

Die Kardex-Karte – das berühmte offizielle Dokument von Porsche mit den Originalspezifikationen des jeweiligen Exemplars – erwies sich bei der Restaurierung des hier vorgestellten Fahrzeugs als unverzichtbar. Laut Dokumentation verließ das Fahrzeug mit der Nummer 10551 das Werk in Kastanienbraun (Code 503) mit grauer Stoffinnenausstattung (Code 3403). Am 24. April 1951 lieferte Porsche den Wagen an Jacob Fleischhauer, den noch heute bekannten Volkswagen- und Porsche-Händler in Köln, der ihn kurz darauf an die Kleiderfabrik Müller weiterverkaufte – vermutlich fuhr der Firmeninhaber das Coupé selbst.

Es ist unklar, wann genau dieser 356 über den Atlantik gelangte. Einiges deutet jedoch darauf hin, dass ein amerikanischer Soldat ihn in den 1950er-Jahren mit in die USA brachte. Das war damals sehr häufig so: Die kleinen europäischen Wagen waren an US-Maßstäben gemessen billig und zuhause ein echter Hingucker. Der erste US-Eigner verkaufte den Porsche an Tad Davies, einen Mercedes-Benz-Händler in Seattle, Washington. Dieser nutzte das Coupé offenbar bei mehreren Rennstreckeneinsätzen, wobei es zu leichten Schäden an den vorderen Kotflügeln und einem der Heckbleche kam. Bemerkenswert ist, dass damals nicht mehr der originale Motor mit 1286 cm³ (Nummer 20025) eingebaut war. Man hatte ihn durch einen leistungsstärkeren 1488-cm³-Motor mit 60 PS aus dem Jahr 1952 ersetzt – es bestehen jedoch einige Zweifel am genauen Herstellungsdatum, da die relevanten Zahlen nachträglich in das Kurbelgehäuse eingeschlagen wurden.

50 JAHRE DORNRÖSCHENSCHLAF

Um 1960 kaufte Tad Davies einen gebrauchten Porsche 550 Spyder und stellte sein kastanienbraunes Coupé von 1951 mit dem mittlerweile komplett zerlegten 1,5-Liter-Motor in die Garage. Dort blieb der Wagen bis 1963 unangetastet ste- hen, bis Frank Soikowski aus dem Bundesstaat Washington der neue Besitzer des Fahrzeugs und seines immer noch zerlegten Motors wurde. Er plante, ihn zu restaurieren, konnte sein Projekt aber über ein halbes Jahrhundert lang nicht verwirklichen. Glücklicherweise bewahrte er das kleine Coupé all die Jahre in seiner Garage auf und schützte es so vor Rost. Man darf nicht vergessen, dass Porsche-Fahrzeuge aus dieser Zeit nicht für die Ewigkeit gebaut waren und Korrosion sich gerne an den heimtückischsten und ausgefallensten Stellen ausbreitete.

Im Jahr 2011 – der Porsche zählte nun rüstige 60 Jahre – wurde Bob Vanderbeek der nächste Besitzer dieses automobilen Relikts. Er lebt in Arizona und gab sich in einem langen Gespräch als echter Porsche-Fan zu erkennen. Im Laufe der Jahre hatte er mehrere ausgefallene Modelle besessen, darunter einen Speedster aus den 1950er-Jahren und ein 356 Continental Coupé von 1955, sowie einen VW Bus T2, der mit einem 2,7-Liter-Porsche-Sechszylinder-Boxermotor ausgestattet war! Vanderbeek bestätigte auch einige wichtige Details zu seinem Pre-A von 1951; unter anderem, dass der Wagen vor der Ankunft in seiner Werkstatt erst 47.000 Kilometer zurückgelegt hatte. Diese Angabe erscheint sehr plausibel, da der Wagen nur selten und ausschließlich vor 1960 gefahren wurde.

In den folgenden Jahren restaurierte Bob Vanderbeek den Wagen komplett. Etliche Komponenten hatten sich in gutem Zustand erhalten: Bodenblech, Motorhaube, Türen, hintere Stoßstangen usw. Nachdem er die Karosserie entlackt hatte, entfernte er die gesamte vordere Außenhaut, um besser an die schwer zugänglichen Bereiche des Fahrzeugs zu gelangen.

Zum Glück, denn er entdeckte mehrere beschädigte Stellen, die er durch Teile eines 356 gleichen Baujahrs ersetzte. Zahlreiche Dellen zierten sowohl den Boden als auch die Karosserie, so dass die Blecharbeiten sehr zeitaufwendig waren. Selbst die vordere Stoßstange musste tatsächlich nachgefertigt werden (von Trevor’s Hammerworks) und auch der Batteriekasten, da der originale, wie so oft, von Rost zerfressen war. Schließlich erhielt die Karosserie mehrere Schichten kastanienbraunen Lacks (Farbcode 503), genau wie 1951.

ENDLICH WIEDER AUF DER STRASSE

2013 kehrte das Coupé mit einigen technische Änderungen auf die Straße zurück: Unter der Heckklappe verbarg sich vorübergehend ein frisierter Porsche-912-Motor, dessen Lüftergehäuse wie das der Fuhrmann-Motoren ausgeführt war. Nach drei Jahren wurde endlich der mittlerweile überholte Motor von 1952 wieder eingebaut – genau derselbe 1488-cm³-Vierzylinder-Boxermotor, der um 1960 zerlegt worden war. Diesmal wurde die Mechanik wieder weitgehend in den Originalzustand gebracht. So erhielt der 1,5-l-Motor die zugehörigen Solex-40 PBIC-Vergaser; die originale Hirth-Kurbelwelle mit Rollenlagern ersetzte allerdings eine modernere Ausführung. Auch andere Komponenten erfuhren in diesem Zug eine Überarbeitung: Heizungskästen, Zündverteiler, Trommelbremsen, Getriebe usw.

Bob Vanderbeek arbeitete auch den Innenraum auf. Dabei überholte er die hölzernen Türleisten und die Gestelle der Vordersitze und ersetzte die Federn und Polster. Die Textilstoffe von 1951 waren mehr oder weniger unbrauchbar, dienten aber als Vorlage für neue Sitzbezüge, Türverkleidungen und einen neuen Dachhimmel. North Hollywood Speedometer restaurierte die Instrumente und Bedienelemente, die nun mit überarbeiteten Knöpfen und Schaltern ausgestattet sind. Auf der linken Seite des Armaturenbretts ist auch ein MotoMeter-Öltemperaturmesser eingebaut. Schließlich wurde die Fahrzeugelektrik auf betriebssichere 12 Volt umgerüstet.

Das Auto gehört nun John McBeth, einem Autosammler aus Las Vegas, Nevada. Dieser vertraute es Dave Pipoly von The Compound an, einer Werkstatt in der Nähe von Los Angeles, wo auch die Bilder entstanden. Das Unternehmen hat sich einen exzellenten Ruf für die Restaurierung seltener Porsche und Volkswagen erworben und kümmerte sich um die Verbesserung einiger Details. Den Anfang machte der Einbau einer originalen zweiteiligen Windschutzscheibe – diese war zuvor durch eine einteilige Scheibe ersetzt worden. Im Rahmen der Arbeiten wurde auch die beschädigte Heckscheibe ausgetauscht und ein seltenes Telefunken-Radio eingebaut, das ursprünglich für die ersten Porsche 356 und VW Käfer entwickelt worden war. Zusätzlich erhielt der Porsche eine außergewöhnliche Zubehörantenne, die sich mittels einer Kurbel links neben den Knien des Fahrers aus- und einfahren lässt.

Das Coupé sieht nun wieder so gut aus wie 1951 – wenn nicht sogar besser – und die klaren, eleganten Linien der Karosserie kommen gut zur Geltung. Es rollt auf schmalen 3,00 D - 16-Stahlfelgen mit Firestone Deluxe Champion-Reifen. Die Bezifferung des Wertes eines solchen Fahrzeugs in Dollar oder Euro ist aufgrund der Seltenheit der 51er Coupés schwierig, aber ein anderes Modell aus derselben Zeit wurde 2017 für rund 1 Million Dollar verkauft. Vielen Dank an John McBeth und Dave Pipoly, die Porsche Fahrer die Möglichkeit gegeben haben, ein solches automobiles Meisterwerk vorzustellen, das nach höchsten Standards restauriert wurde.

​​Erschienen in Ausgabe 4-2026

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