Porsche-MiniaturenJouets de Strasbourg – Französische Finesse

Porsche Klassik

 · 04.07.2023

Porsche-Miniaturen: Jouets de Strasbourg – Französische FinesseFoto: Fabian Houchangnia
Die elegante Stromlinie des 356 in all ihrer Dynamik und Kraft.
Foto: Fabian Houchangnia

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Königsklasse unter den Modellautos wird unangefochten von zeitgenössischem Blechspielzeug bestritten. Auch wenn Miniaturen aus solidem, ehrlichem Blech bis auf wenige Ausnahmen nicht so formtreu und detailliert sein können wie Produktionen aus Zinkdruckguss oder Resine, so versprühen doch nur sie den Charme des Ursprünglichen. Ebenso wie historische Aufnahmen, vergilbte Postkarten und alte Verkaufsprospekte üben sie eine schwer in Worte zu fassende Faszination auf den Betrachter aus.

Aber gegenüber Druckerzeugnissen aus Papier und Pappe bietet Blechspielzeug einen gewaltigen haptischen Vorteil. Wir spüren die Kühle des gepressten Blechs, vorsichtiges Klopfen auf den Karosseriekörper beweist, dass hier weder Metall noch Kunststoff gegossen wurden. Um das dünne Blech in die gewünschte Form zu bringen, wurden ganz wie bei der Herstellung des Originals schwere und laute Presswerkzeuge eingesetzt. Ein immens aufwendiges Verfahren, von dem sich die meisten Spielzeugproduzenten aus Kostengründen schon gegen Ende der 1960er-Jahre verabschiedeten.

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Nun ist aber unser heute vorgestellter Porsche glücklicherweise ein Kind der 50er. Ein reines Spielzeugauto und ein wunderschönes noch dazu. Als Hersteller firmierte der berühmte französische Spielzeughersteller Jouets de Strasbourg, kurz »Joustra« mit Sitz in der 13 Rue de Belfort, der im Jahre 1934 von Paul und André Kosmann gegründet wurde. Aus dem ehemaligen kleinen Spielwarenladen, in dem vornehmlich deutsches Spielzeug verkauft wurde, entwickelten die Brüder bis zum Krieg eine eigene, florierende Spielzeugmanufaktur. Als Firmenlogo wählten die Elsässer passenderweise das Straßburger Münster. Nach dem Zweiten Weltkrieg blühten die Geschäfte, die preiswerten, aber dennoch qualitativ hochwertigen Produkte wurden millionenfach in ganz Europa abgesetzt. Bereits gegen Mitte der 50er Jahre beschäftigte Joustra mehrere Hundert Mitarbeiter und produzierte rund sieben Millionen Spielzeuge pro Jahr.

Aus jener Zeit stammt auch der hier vorgestellte Porsche 356, der erstmalig 1958 präsentiert wurde. Auf den ersten Blick ein recht simples Modell im Maßstab 1:18, bestehend aus einer rot lithografierten Blechkarosserie und einem ebenso lackierten Chassis. Angetrieben wurde das 215 Millimeter lange Modell von einem leise schnurrenden Uhrwerkmotor, der kurioserweise vorn montiert war. Da die Radkästen des Porsche geschlossen waren, fehlte eine Lenkung, aber wenigstens konnte das Modell über den Hebel im rechten Kotflügel gebremst werden. Betrachten wir die sauber ausgeführten Lithografien nun eingehender, so fällt auf, dass die Elsässer einen sehr frühen Porsche als Vorbild wählten. So scheint es sich bei der Frontverglasung um eine sogenannte Knickscheibe zu handeln, was zusammen mit dem langen Kofferraumgriff und den runden Blinkern vorn auf einen Modelljahrgang vor 1953 schließen lässt.

Dafür spricht auch die korrekt oberhalb der Nummerntafel lithografierte Kennzeichenbeleuchtung, hier übrigens dargestellt durch das Herstellerlogo. Zu dem sehr puristischen Aspekt der edlen Miniatur passt auch das Fehlen der Stoßstangen und einer Verglasung. Als kleine Randnotiz sollte nicht verschwiegen werden, dass Joustra bei der Produktion seines ersten Porsche einen kleinen Trick anwendete. De facto handelt es sich bei dem Modell um eine »Zweitverwertung«. In der Tat wurden für seine Herstellung nur moderat veränderte Tiefziehwerkzeuge des hauseigenen Mercedes 190 SL verwendet und lediglich die Lithografien entsprechend angepasst. Allerdings erwies sich der Porsche im Gegensatz zu dem SL als Verkaufsschlager, der Joustra schon bald dazu veranlasste, den 356 einer Modellpflege zu unterziehen: Die folgenden Generationen des Zuffenhausener Sportwagens besaßen fortan nicht nur Verglasungen und Inneneinrichtungen, sondern auch separate Stoßstangen und lenkbare Räder. Natürlich wurden auch die Lithografien den späteren Jahrgängen angepasst, und selbst Rallye-Versionen durften ebenso wenig fehlen wie eine Kabelfernsteuerung.

Im Jahr 1999 endete die Geschichte des elsässischen Traditionsunternehmens, dem Thema Porsche blieb man jedoch bis zum Schluss treu. Nach den erfolgreichen 356ern widmete sich Joustra nicht nur dem 911, auch der 928 als Großmodell war über viele Jahre im Portfolio der Franzosen vertreten. Keines dieser Modelle sollte jedoch den Charme unseres 356, der eigentlich ein Mercedes war, jemals übertreffen. :::

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