Was 2014 als informelles Treffen auf einem Parkplatz in Los Angeles begann, zieht heute Tausende Besucher an. Die Veranstaltungsreihe Luftgekühlt hat sich zu einem weltweit beachteten Event für luftgekühlte Porsche-Modelle entwickelt. Jede Ausgabe setzt andere Schwerpunkte, wechselt den Austragungsort und präsentiert neue Fahrzeuge mit ihren Geschichten.
Für die zwölfte Ausgabe wählten die Veranstalter Atlanta, Georgia – die Heimat von Porsche Cars North America seit 1998. Austragungsort war die Town at Trilith südlich der Stadt. Trotz Hurrikanwarnungen und einer mehrstündigen Verschiebung des Starts kamen rund 8.000 Besucher. Das weitgehend trockene Wetter ermöglichte schließlich die Präsentation von 300 Fahrzeugen.
Die Auswahl erfolgt nach einem kuratierten Verfahren: Interessenten müssen Informationen zur Fahrzeughistorie und Bildmaterial einreichen. Das Luftgekühlt-Team prüft jede Bewerbung und sucht nach Porsche-Modellen, die auch Kenner überraschen können. „Jede Veranstaltung ist die Weiterentwicklung der vorherigen", sagt Jeff Zwart, Kreativdirektor von Luftgekühlt. „Wir möchten immer neue Geschichten entdecken und erzählen."
Ein zentrales Thema von Luftgekühlt 12 war der 50. Geburtstag des Porsche 935. Der luftgekühlte Rennwagen zählt zu den bedeutendsten Langstrecken-Sportwagen der Marke. Als besonderes Exponat gelang es dem Team, den Porsche 935 K3 nach Atlanta zu holen, mit dem Don und Bill Whittington sowie Klaus Ludwig 1979 die 24 Stunden von Le Mans gewannen.
Das Fahrzeug besitzt eine besondere Verbindung zur Region: Die Brüder Whittington übernahmen in jener Zeit die Rennstrecke Road Atlanta. Der 935 K3 ging als erster Heckmotor-Rennwagen überhaupt als Gesamtsieger aus dem Langstreckenklassiker in Le Mans hervor. Entsprechend zählte das Siegerfahrzeug von 1979 zu den zentralen Exponaten und war einer der Publikumsmagneten der Veranstaltung.
Neben dem 935 K3 waren weitere historische Rennwagen zu sehen, darunter ein Porsche 917 K in den Gulf-Farben. Mit diesem Fahrzeug erzielte Brian Redman beim Vortest zu den 24 Stunden von Le Mans 1970 die Bestzeit. Anschließend ging der Rennwagen in den Besitz des Formel-1-Piloten Jo Siffert über, der ihn für Steve McQueens Film „Le Mans" vermietete. Nach Jahren außerhalb der Öffentlichkeit gelangte der 917 K in die Brumos Collection.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Targa Florio. Vor 70 Jahren feierte Porsche bei dem legendären Straßenrennen auf Sizilien seinen ersten Gesamtsieg. 1956 steuerte der Italiener Umberto Maglioli einen luftgekühlten Porsche 550 A Spyder mit Mittelmotor im Alleingang zum Sieg. Es war der Auftakt zu einer außergewöhnlichen Erfolgsserie: Mit elf Gesamtsiegen ist Porsche bis heute die erfolgreichste Marke des traditionsreichen Straßenrennens, das zwischen 1906 und 1977 ausgetragen wurde.
Das Rennen hinterließ auch Spuren in der Serienproduktion. Der 1965 vorgestellte Porsche 911 Targa verdankt ihm seinen Namen. Das Modell verband die Offenheit eines Cabriolets mit der Sicherheit eines fest integrierten Überrollbügels und traf damit den Nerv des wichtigen US-Markts, wo die Diskussion um die Sicherheit offener Fahrzeuge zunehmend an Bedeutung gewann.
Drei Exponate machten die Targa-Florio-Historie greifbar: Ein Porsche 718 RSK von 1959, der die schnellste Runde gefahren war und das Rennen über weite Strecken angeführt hatte, bevor ein Defekt an der Radaufhängung in der Schlussrunde den möglichen Triumph verhinderte. Flankiert wurde der RSK vom Porsche RS 60, der ein Jahr später den Gesamtsieg holte, sowie vom Porsche 904 Carrera GTS, der die Straßenrallye 1964 gewann.
„Luft ist visuell faszinierend und die Fahrzeuge erzählen spannende Geschichten", erklärt Zwart. „Zugleich begeistert die Veranstaltung Menschen, die sich für die technische Seite der Modelle interessieren." Ein Beispiel dafür ist ein Porsche 356 A Outlaw von 1957. Seine Geschichte begann mit einem stark verrosteten 356, den sein damaliger Besitzer Trümmern im Keller eines Gemischtwarenladens in North Carolina entdeckte.
Da die untere Karosseriestruktur kaum noch zu retten war, kombinierte er das Dach mit einer besser erhaltenen Karosserie. Nach Jahren gesundheitlicher Probleme verkaufte er das unvollendete Projekt 2004. Zwei Jahrzehnte später tauchte das Fahrzeug erneut zum Verkauf auf, weniger als vier Kilometer von seinem früheren Besitzer entfernt. Selbst die Beschriftungen auf den Kisten mit Ersatzteilen stammten noch von ihm. Bei Luftgekühlt 12 war der 356 in restauriertem Zustand zu sehen – mit jener bewusst erhaltenen Patina, die seine außergewöhnliche Geschichte erzählt.
Durch das Programm führte Tommy Kendall, bis heute der jüngste IMSA-Champion der Seriengeschichte. Hinzu kommen vier Titel in der Trans-Am-Serie sowie zwei Starts bei den 24 Stunden von Le Mans. Für prominente Rennsportgesellschaft sorgte auch Leh Keen. Der ehemalige Rennfahrer präsentierte mehrere Fahrzeuge seines Keen Project, bei dem klassische Porsche 911 nach seinen Vorstellungen neu interpretiert werden. Inspiration dafür fand er auf den Landstraßen seiner Heimat Georgia sowie in den Rallye-Versionen des Porsche 911 SC aus den 1970er- und 1980er-Jahren.
Luftgekühlt versteht sich nicht als klassische Automobilausstellung. Die Veranstaltung macht regelmäßig an neuen, oft kulturell geprägten Orten Station. Absperrungen, die Besucher von den Fahrzeugen trennen, gibt es nicht. Stattdessen lädt das Gelände dazu ein, auf eigene Entdeckungsreise zu gehen: durch Gebäude und Höfe, entlang von Straßen und Plätzen.
Mindestens so wichtig wie die Fahrzeuge sind die Menschen dahinter. Jahr für Jahr reisen Enthusiasten, Familien und Freundeskreise aus allen Teilen der USA an. Manche legen den Weg allein zurück, andere organisieren gemeinsame Ausfahrten über mehrere Bundesstaaten hinweg. Einige dieser Konvois entstehen offiziell im Rahmen der Veranstaltung, viele werden von der Community selbst organisiert. Für Jeff Zwart liegt genau darin die besondere Stärke von Luftgekühlt: Die Veranstaltung soll für jeden zugänglich sein.