HAPPY END – PORSCHE 356 SUPER 90 - AUF DEM SPRUNG

Marco Annunziata

 · 20.12.2025

Francesco und Luigi Bosio fanden den 356 in den USA und restaurierten ihn.
Foto: Marco Annunziata

Der rubinrote 356 B T5 1600 Super 90 von 1960 erlangte Weltruhm unter Porsche-Enthusiasten durch eine Fotografie von Hans Truöl, dem gefeierten deutschen Fotografen. Auf seiner ikonischen Aufnahme „Der Sprung“ fliegt der österreichische Skifahrer und spätere Abfahrts-Olympiasieger Egon Zimmermann über den zwischen zwei Schneewänden geparkten, 356 hinweg – festgehalten im Flug am Timmelsjoch.

Die Schwarzweiß-Fotografie trägt den ironischen Untertitel „Als er die Abkürzung nimmt“ und entstand direkt, nachdem der Flexenpass in der Nähe des österreichischen Skiorts Zürs von einer Lawine freigeräumt wurde. Sechzig Jahre später zollte Porsche dieser historischen Szene Tribut mit einer modernen Neuinterpretation. Auf dem Bild zu sehen: Der norwegische Champion Aksel Lund Svindal, der über einen vollelektrischen Porsche Taycan am verschneiten Timmelsjoch springt. Eine poetische Geste, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.

Und was passierte mit dem Original, mit 356 1600 Super 90? Heute ist er im Besitz der Familie Bosio! In der toskanischen Provinz folgen Francesco und Luigi Bosio, Vater und Sohn Sohn, der gemeinsamen Passion klassischer Automobile. „Der Funke sprang schon in den Sechzigerjahren über“, erinnert sich Francesco, „als ich mich in einen Jaguar MK2 verliebte. Damals konnte ich mir den Wagen nicht leisten, doch seine Linien haben sich mir für ein Leben lang eingeprägt.“

ZUFALLSFUND IN KALIFORNIEN

Der lange verdrängte Traum nahm erst Jahrzehnte später Gestalt an, als auch Luigi begann, die Leidenschaft seines Vaters für Oldtimer zu teilen. „Wir fingen an, Autos zu restaurieren“, erzählt Francesco, „und angefangen haben wir mit einem Jaguar MK2.“

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Vielleicht musste es so kommen. Sohn Luigi wuchs umgeben vom Geruch alter Technik und Stapeln von Autozeitschriften auf. „Als Kind sammelte ich Porsche-Modelle und mein erster echter Porsche war ein Boxster, ein Geschenk meines Vaters 2012. Heute stehen die originalen Vorlagen der alten Modelle vorm Haus, bereit für die toskanischen Serpentinen.“

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Der rubinrote 356 aus Truöls berühmtem Foto hatte zwischenzeitlich den Weg in die USA gefunden, wo Vater und Sohn Bosio ihn beim Händler European Collectibles in Costa Mesa/Kalifornien entdeckten. „Er war weiß lackiert, der Innenraum heruntergekommen, aber die Substanz stimmte und die meisten Originalteile waren noch vorhanden“, sagt Francesco Bosio. Zwei Jahre dauerte die Restaurierung, die weitgehend in Eigenarbeit erfolgte, unterstützt von einigen vertrauten Spezialisten. Ziel war die vollständige Herstellung der originalen Werksspezifikationen, bestätigt durch das Kardex-Datenblatt: Farbcode 6002 A/C, Fahrgestellnummer 110982.

Es war nicht das erste Projekt dieser Art. Zuvor hatten die Bosios bereits einen 356 A T1 von 1956 restauriert. „Das war kaum mehr als ein Wrack“, sagt Luigi. „Wir haben enorme Recherchearbeit geleistet“, ergänzt Francesco. „Jede Schraube, jedes Stoffmuster für die Innenausstattung wurde so ausgewählt, dass es der ursprünglichen Porsche-Spezifikation entspricht.“

Auch ein 911 S Targa von 1977 sowie ein 911 Carrera S von 2006 gehören zur Sammlung, außerdem eine Reihe britischer Klassiker – und selbstverständlich ein Ferrari. „Eine Hommage an unsere italienischen Wurzeln“, wie Francesco Bosio betont.

Die 356 sind keine Museumsstücke. „Wir fahren sie aus purer Freude“, erklärt Francesco. „Ein sonniger Morgen oder ein Sommerabend – es ist immer der richtige Zeitpunkt. Manchmal nehme ich sogar einen mit zur Arbeit.“ Wartung und Pflege finden größtenteils in der eigenen Werkstatt statt. „Wir haben eine gut ausgestattete Garage“, sagt Luigi. „Für komplexere Arbeiten wenden wir uns an einige wenige vertraute Profis, aber im Grunde lieben wir es, selbst Hand anzulegen.“

Auf die Frage nach seinen Lieblingsmodellen zögert Luigi nicht: „Natürlich liebe ich den 356, aber auch den 911 Targa, den 930 Turbo, den 964 Turbo und den 997 GT3 RS. Jedes Modell steht für ein wichtiges Kapitel in der Entwicklung von Porsche.“ Und die Zukunft? Francesco ist überzeugt: „Die aktuellen Modelle tragen noch immer den ursprünglichen Geist in sich. Ihre Qualität und ihr Design sind der Tradition absolut würdig.“


porsche fahrer/11-100165385_40d4eea18066443d55744742a946752fFoto: Marco Annunziata

DER MANN IN DEN BERGEN

Hans Truöl mag, obwohl ungewöhnlich im Klang, kein Name sein, den jeder kennt, doch seine Fotografien haben unser Bild vom alpinen Leben in der Mitte des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt. Eines seiner berühmtesten Motive – ein Skifahrer, der über einen auf einer Bergstraße geparkten Porsche durch die Luft fliegt – vereint den Wagemut jener Zeit mit Truöls meisterhafter Bildsprache. Truöl, der 1981 verstarb, gehörte zu den bemerkenswertesten Presse- und Prominentenfotografen seiner Ära. Neben großen Momenten hielt er auch die Landschaften der Arlbergregion und das Alltagsleben ihrer Menschen fest und schuf damit ein Werk, das bis heute durch Komposition, Kontraste und Atmosphäre besticht.

Geboren 1920 in Augsburg als Sohn eines Kaufmanns, fand Truöl früh zur Fotografie. Seine Ausbildung erhielt er im Fotohaus Heimhuber in Sonthofen, einer renommierten Fotografenfamilie, wo er die technischen und künstlerischen Grundlagen des Handwerks erlernte.

In den Fünfzigerjahren wandte er sich mit einer Hasselblad-Kamera verstärkt dem österreichischen Skigebiet Lech Zürs zu. Getrieben von einem beinahe obsessiven Drang, das Neue und Aufregende festzuhalten, dokumentierte er Landschaften, Menschen und den rasanten Aufschwung des Skitourismus. Wandern, Skifahren, Reisen und Fahrten mit seinem geliebten 356 prägten seinen Lebensstil ebenso wie seine Kunst. Seine Aufnahmen, teils spontan, teils inszeniert, fanden schnell Beachtung durch ihre Originalität und Vitalität und verschafften ihm in kurzer Zeit einen exzellenten Ruf.

Truöls Bilder spiegeln die überschäumende Stimmung der Nachkriegsjahrzehnte wider. Er hielt die unbeschwerten, oft wilden Momente fest, die das Leben in Lech Zürs prägten – Momente, in denen Gäste Dinge wagten, die sie zuhause nie versucht hätten. Für ihn war kein Aufstieg zu steil, kein Bild zu riskant, wenn es darum ging, das perfekte Foto einzufangen. Sein Blick ging jedoch über die Freizeit hinaus: Er dokumentierte Großprojekte wie den Bau des Mont-Blanc-Tunnels oder die Renovierung alpiner Hotels sowie hochkarätige Ereignisse wie das legendäre Porsche-Treffen in Zürs.

Ein weiterer Schwerpunkt wurde die Sportfotografie. Truöl begleitete alpine Skigrößen wie Toni Sailer, Ernst Hinterseer, Karl Schranz, Egon Zimmermann, Anderl Molterer und Willy Bogner und fing ihre Erfolge bei Weltcuprennen mit einer Mischung aus Präzision und Dramatik ein. Vor seiner Kamera standen ebenso Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, darunter Ferry Porsche, Ingrid Bergman, Königin Beatrix der Niederlande, König Baudouin I. von Belgien, Petra Schürmann und Luis Trenker. Viele dieser Begegnungen entwickelten sich zu dauerhaften Freundschaften – ein Zeugnis von Truöls Charisma ebenso wie von seiner Kunst.