964 Clubsport Prototyp

Die kleinste Marktlücke

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Als Porsche mit dem Rücken zur Wand stand und jedes verkaufte Auto zählte, schien keine Marktlücke zu klein. Im Sommer 1992 war sogar eine Clubsport-Version des 964 in Planung.
Porsche 964 Clubsport Prototyp
© Roman Rätzke

Vor 30 Jahren wurde Porsche öffentlich als Übernahmekandidat gehandelt. Die Rezession wirkte sich fatal auf den Absatz aus, von den hoch entwickelten, aber am Markt wenig erfolgreichen Transaxle-Typen 928 und 968 wurden kaum noch Fahrzeuge verkauft. Die gesamten Erwartungen lasteten wieder einmal auf dem Porsche 911.

Zumindest einen positiven Aspekt gab es: Porsche wurde kreativ und entwickelte einige sehr spannende Derivate des 964. Die Clubsport-Version des 911 Carrera 2 gehört dazu, ging allerdings nie in Serie.

Die Lage war ernst! Im Geschäftsjahr 1992/1993 wurde jeder abgesetzte Porsche dringend benötigt. Auch die Verkäufe des Elfers brachen ein, waren aber noch immer die tragende Säule des Unternehmens.

Porsche 964 Clubsport
© Roman Rätzke

Die Zurückhaltung der Käufer lag zum einen an der schlechten wirtschaftlichen Situation. Auf der anderen Seite war der 964 deutlich teurer geraten als sein Vorgänger. Während der 911 Carrera 3.2 im April 1989 noch mit 86.000 DM in der Preisliste stand, wurden für den 911 Carrera 2 der neuen Generation 964 nur drei Jahre später 120.000 DM fällig. Bei einem Preisanstieg von 40% in dieser relativ kurzen Zeit konnte nicht mehr jeder Kunde mitgehen. In diesem auch wirtschaftlich schwierigen Umfeld bewegte sich Porsche und versuchte mit allen Mitteln seine Produktpalette für die Kunden wieder attraktiver zu gestalten.

SPORTLICHKEIT NEU BETONEN im Porsche 964 Clubsport

Die Sportlichkeit der Fahrzeuge sollte wieder an erster Stelle stehen. Anfang 1993 kam vom Nachfolger des 944 S2, dem 968, eine Clubsport-Version auf den Markt. Der 968 CS erhielt die bekannten Schalensitze aus dem 964 RS, die Rücksitzbank entfiel aus Gewichtsgründen. Durch den Verzicht auf Airbags, elektrische Fensterheber und weitere Komfortdetails konnten über 50 Kilogramm eingespart werden. Der 968 CS wurde serienmäßig mit den populären Cup-Rädern und Spiegeln im Cup-Design bestückt und um 20 mm tiefer gelegt. Die Felgen und der Heckspoiler waren in Wagenfarbe lackiert. Der 968 CS sah verdammt gut aus und war sogar über 15.000 DM günstiger als die Serienversion des 968.

Kein Wunder also, dass man bei Porsche auch über eine Clubsport-Version des 911 Carrera 2 nachdachte. Im August 1992 bekam der damalige Projektleiter Karlheinz Brüstle – 1985 von der Uni direkt zu Porsche in die Entwicklung des 964 gewechselt – den Auftrag, einen 964 CS zu entwickeln. „Sportwagen waren damals gar nicht so angesagt. Sportliche Limousinen wie der BMW M5 oder Mercedes 500 E waren im Kommen. Bei Porsche wurden dann einige Leute kreativ und wollten neue, attraktive Modelle bringen.“

© Roman Rätzke

Im August 1992 begannen die Arbeiten am 964 CS. Für die Clubsport-Variante des 911 Carrera 2 plante Projektleiter Brüstle genau wie beim 968 CS eine Gewichtsersparnis von mindestens 50 kg. Daher wurde auf das Airbag-System verzichtet. Auch die Alarmanlage, elektrische Fensterheber und die Zentralverriegelung entfielen. Somit konnte ein wesentlich leichterer Kabelbaum verwendet werden. Weiteres Gewicht wurde im Innenraum durch den Entfall der Rücksitzbank eingespart. Zudem entfielen auch die Fondseitenverkleidung und die Hutablage der Serienversion.

Viele Maßnahmen zum Einsparen von überflüssigen Pfunden aber auch Bauteile waren von anderen Modellen bekannt. Die Türtafeln wurden vom 964 RS übernommen, allerdings mit den Lautsprechern des RS-America und den Öffnungen für die manuellen Fensterheber. Für eine stimmige Optik des Prototyps wurde eine schwarze Zuziehschlaufe wie beim 964 RS verwendet. Die Teppiche im Innenraum des Prototypen orientierten sich am 964 RS America und waren im Bereich der Hutablage ohne einen Schriftzug gestaltet. Das Leergewicht lag am Ende bei 1300 Kilogramm, also einen Zentner unter dem des normalen 964 Carrera 2.

TECHNIK des Porsche 964 Clubsport KAUM VERÄNDERT

Auf der technischen Seite fielen die Veränderungen zum Serienpendant relativ gering aus. Der Prototyp erhielt den bekannten 3,6-Liter-Motor mit 250 PS, auch an der Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h änderte sich nichts. Während beim 911 Carrera 3.2 Clubsport aus den Modelljahren 1988 und 1989 ein geändertes Steuergerät zum Einsatz kam, das dem Wagen zu höheren Drehzahlen und einer schnelleren Beschleunigung verhalf, wurde beim 964 Clubsport lediglich der gemeinsame Keilriemen zum Antrieb von Generator und Gebläse vom 964 RS übernommen. Höhere Drehzahlen oder eine bessere Beschleunigung standen nicht im Lastenheft. Auch im Bereich des Fahrwerks gab es bis auf eine Tieferlegung um 20 mm keine gravierenden Änderungen.

© Roman Rätzke

Den kompletten Bericht finden Sie in Ausgabe 6-2022.

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