356 Roadster von Walter Röhrl

Mit Teilen eines 911 Turbo

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Dieser Roadster steht zwischen allen Kategorien an Porsche-Umbauten. Er ist kein Backdate, der älter tut, als er ist, aber auch keine optisch frisierte Replika oder ein weiterentwickelter 356, dem einfach ein paar Schwächen ausgetrieben wurden. Und das RR in der Modellbezeichnung steht auch nicht für Rolls-Royce.
Walter Röhrl Super-Roadster Porsche
© Tobias Kindermann

Der Mann, der ihn sich ausgedacht hat, war Österreicher, und auf einem Foto sieht er auch tatsächlich ein bisschen wie ein entfernter Verwandter Ferdinand Porsches aus. Viktor Grahser plante seinen 356 Roadster ähnlich wagemutig wie der alte Porsche einige seiner Konstruktionen. Nur können wir ihn nicht befragen, denn der eigenbrötlerische Mann, der bescheiden in Klein-Neusiedl, einem kleinen Ort 30 Kilometer südöstlich von Wien, lebte, starb bereits 2008.
30 Jahre hatte der Flugzeug-Ingenieur in Australien verbracht, bis er 1996 im Alter von 56 Jahren in seine Heimat zurückkehrte. Unter den drei Porsche 356, die er mitbrachte, war auch ein 356 Roadster B T5 mit Turbo-Technik. Grahser hatte ihn 1981 gekauft, das Projekt jedoch nie abgeschlossen. Das übernahmen andere, und es sollten noch einige Jahre vergehen, bis der Wagen fertig war.

Porsche 356 Roadster Fuchs-Felge
© Tobias Kindermann

Kann so eine Geschichte gut ausgehen? Oder hat hier ein Mann einen Traum gelebt, der an der Realität scheitern musste? Man kann sich denken, was Viktor Grahser 1981 durch den Kopf gegangen sein muss, als er den Roadster gekauft hatte: Er wollte Porsches erste Konstruktion mit der Urgewalt des damals stärksten 911 verheiraten – dem Turbo. Das sind die größten Gegensätze, die sich finden ließen. Er ging viel umsichtiger und vernünftiger vor, als es seine ungewöhnliche Lebensgeschichte und sein exzentrisches Auftreten vermuten lassen. Sein Plan war technisch gut durchdacht. Das zeigt sich, wenn man sich dem Wagen unvoreingenommen nähert.

Das fällt, da wollen wir ehrlich sein, zunächst nicht leicht. Mit seinen üppigen Verbreiterungen und den Fuchsfelgen vom 911 Turbo 3.3 tritt der Wagen eher so entschlossen auf, als würde er es darauf anlegen, seinen Besitzer nach der ersten Beschleunigung unter Volllast in der nächsten Kurve in Schwierigkeiten zu bringen. Als wäre er ein Gerät, das nur mit dem Talent eines gestandenen Rennfahrers zu beherrschen ist.

356 Turbo Roadster Walter Rörrl
© Tobias Kindermann

356 Roadster nach der IDEE EINES INDIVIDUALISTEN

Tatsächlich steht der Wagen heute in Walter Röhrls Garage. Röhrl und der Roadster fanden erst spät zusammen - im Grunde erst bei der Probefahrt des damals noch unlackierten Fahrzeugs. Er war sicher der größte Skeptiker, ob die Kombination aus 356-Optik und Turbo-Technik gut gehen könnte. Jahrelang hatte der Wagen in der Ecke der Werkstatt von Rafael Diez, der ihn 2011 erworben hatte, gestanden. Oft blieb Walter Röhrl vor ihm stehen und fragte Diez lachend: "Ob ich den jemals auf der Straße fahren sehe?" Immerhin sollte das rund zehn Jahre dauern, Diez ließ das Projekt als Hobby nebenherlaufen.

Porsche 356 Turbo Roadster Walter Rörrl
© Tobias Kindermann

Jetzt fährt er tatsächlich, und das gar nicht mal so wild, wie es der erste Eindruck des Wagens vermuten ließe. Der umgebaute 356 Roadster gibt sich als ausgesprochen harmonisches Fahrzeug mit zivilen Umgangsformen. Nur über eines sollte man sich klar sein: Er ist alles andere als langsam. Dazu hat beigetragen, dass der 356 in einer zweiten Ausbaustufe kürzlich einen deutlich potenteren Motor erhalten hat. Wir haben die Messausrüstung mitgenommen, um zu prüfen, was wirklich drinsteckt.

Lassen wir die Zahlen sprechen. 1203 Kilogramm brachte der vollgetankte Wagen auf die geeichten Rad- lastwaagen. Vier Mal durfte der verbesserte 3,0-Liter-Motor seine Leistung mit unserem Insoric-System nachweisen, im Mittel ergaben sich beeindruckende 305 PS bei 5400/min. Da wir im 3. Gang gemessen haben, fand der maximale Ladedruckaufbau erst bei höherer Drehzahl statt. Wir erreichten sehr gute 402 Nm bei 5250/min. Die Beschleunigungsmessungen mit zwei Personen und 1360 kg Gesamtgewicht bestätigten, wie gut der Wagen in Form ist: 15,64 Sekunden für den Sprint von 60 auf 200 km/h sind für einen 356, in dem noch die Turbo-Technik der ersten Generation wirkt, ein sehr guter Wert. Das untermalt der Wagen mit Turbo-typischer Gedenksekunde: Der Beschleunigungsgraph zeigt, dass der Turbo nach jedem Schaltvorgang im 915-Fünfganggetriebe einen kurzen Moment braucht, um dann mit Nachdruck anzuschieben.
Im Ergebnis weist der 356 Turbo den 911 Turbo 3.0 oder 911 Turbo 3.3 deutlich in die Schranken. Die benötigen für dieselbe Übung, zieht man die Werte zeitgenössischer Tests heran, rund zwei Sekunden länger.


Den gesamten Artikel mit weiteren Fotos finden Sie in Ausgabe 4-2022.

Porsche 356 Turbo Roadster RR
© Tobias Kindermann
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