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Noch nie so gut wie 2010

25.11.2010 20:59

Für Olaf Manthey ging seine bisher erfolgreichste VLN-Saison zu Ende

Olaf Manthey
Olaf Manthey. Foto: mr

Zehn Rennen, neun Siege für den neuen Porsche 911 GT3, sieben davon holten Wagen, die von Manthey-Racing betreut wurden. PORSCHE FAHRER zieht mit Olaf Manthey eine Bilanz der Langstreckenmeisterschaft 2010 auf dem Nürburgring. Für ihn war es die beste VLN-Saison, seitdem er 1996 seinen Rennstall gegründet hat. Blickt man auf die Ausgangslage im März zurück, war das nicht zu erwarten. Hat er selber mit diesem Erfolg gerechnet? „Nein“, antwortet er. Neues Auto, neue Schwerpunkte im Reglement – und mit Audi und dem R8 einen Konkurrenten, der mit großem Einsatz ebenfalls Siege sehen wollte. 2010 wehte ein scharfer Wind in der VLN.

Viermal Platz 1 für den 911 GT3 R mit der Startnummer 114 in dem bekannten gelb-grünen Outfit des Manthey-Teams, dreimal Platz 1 für den schwarz gehaltenen Haribo Porsche 911 GT3 R, der ebenfalls von Manthey betreut wird. An der Porsche-Dominanz auf dem Nürburgring hat sich nichts geändert – eher im Gegenteil. Dem Team Manthey gelangten 2009 fünf Siege, heuer sind es zwei mehr. Und wenn man in diesem Jahr noch die zwei ersten Plätze für das Mamerow-Team hinzurechnet, das inzwischen ins Mercedes-Lager übergewechselt ist, wächst die Porsche-Quote auf 90 Prozent an.

Der Manthey-Porsche mit der Startnummer 114 gewann viermal in dieser Saison. Foto: mrDas beste VLN-Rennen für Manthey in diesem Jahr: Beim siebten VLN-Lauf gelang Lance David Arnold (Duisburg) und Christian Menzel (Kelberg) ein historischer Sieg und Manthey gleich ein Dreifach-Erfolg. Der Porsche 911 GT3 R des Haribo Team Manthey legte auf der 24,369 Kilometer langen Kombination aus Nürburgring Kurzanbindung und Nordschleife eine Distanz von 1023,498 Kilometern zurück. Damit wurde zum erstem Mal in der Geschichte des Eifelkurses bei einem 6-Stunden-Rennen für Tourenwagen auf dem Nürburgring die 1000-Kilometer-Marke geknackt. Das Podium komplettierten Timo Bernhard (Dittweiler), Arno Klasen (Karlshausen) und Christian Hohenadel (Quierschied) sowie Armin Hahne (Wimbach), Jochen Krumbach (Eschweiler) und Marc Gindorf (Monaco). Sie saßen in zwei weiteren Porsche 911 GT3 R von Manthey-Racing. Auch das hatte es in der VLN vorher nicht gegeben. Für Manthey war es der vierte Erfolg beim 6-Stunden-Rennen in Folge.

Mercedes nun auch dabei

Doch was sich so eindeutig liest, war ganz so eindeutig nicht. Die Veranstalter der VLN setzten in diesem Jahr noch stärker auf die GT3-Fahrzeuge, um neue Marken auf den Ring zu locken – und um Konkurrenz für die Rennwagen aus Zuffenhausen zu erhalten. Audi danke es mit einer starken Präsenz, drei Rennen vor Saisonende steig auch Mercedes mit dem SLS AMG GT3 ein – und der erste Platz beim zweiten Einsatz durch Thomas Jäger (München) und Christopher Haase (Kulmbach) vom Team Black Falcon beendete eine 13 Rennen andauernde VLN-Siegesserie von Porsche.

Der Haribo-Porsche mit der Startnummer 88 landete dreimal ganz vorne. Foto: mrNeuling Mercedes gelang damit das, was Audi 2010 verwehrt blieb – ein guter Einstand mit einem Sieg.  Woran lag es, dass sich der R8 sich nicht in Szene setzen konnte? „Es gab mehrere Dinge, die dazu führten“, sagt Olaf Manthey. Die Audis seien öfter in Unfälle verwickelt worden, dazu wären technische Defekte gekommen. Auch die Standzeiten an der Box wie etwa beim Tanken hätten länger gedauert, aber auch die Rennstrategie sei nicht immer perfekt gewesen. „Von der Performance her liegt der R8 etwa gleichauf mit dem Porsche 911 GT3 R. Das hätte alles für einen Sieg gereicht“, betont er. Der neue Mercedes dagegen sei noch schwer einzuschätzen: „Mal sehen, wie ihn die FIA in der Balance of Performance einordnet. 6,3 Liter Hubraum – in dem Wagen steckt sicher noch viel Potential drin.“ Und auch die Corvettes gingen gut.

Weniger Spielraum beim 911 GT3 R

Porsche brachte mit dem 911 GT3 R einen neuen, ebenfalls nach dem GT3-Standard aufgebauten Rennwagen auf die Piste. „Der ist im Prinzip für alle Rennstrecken dieser Welt gebaut worden, nicht speziell für den Nürburgring.“ Beim Vorgänger, dem nach dem GT2-Regelwerk konzipierten 911 GT3 RSR, den Manthey bis Ende der Saison 2009 einsetzte, bot das Reglement viele Möglichkeiten, ihn auf die speziellen Verhältnisse der Nordschleife abzustimmen. Das ging soweit, dass man bei Manthey eigene Aerodynamik-Pakete entwickelte. „Der Porsche 911 GT3 R dagegen bietet weit weniger Spielraum. Reglementbedingt können wir eigentlich nur am Fahrwerk arbeiten“, sagt Manthey. Weichere Federn, andere Dämpferraten, längerer Federweg, wenn man so will, der bekannte Weg, einen Rennwagen auf die Nordschleife anzupassen.

Die Startnummer 112 war der dritte 911 GT3 R von Manthey-Racing. Foto: mrWas auf der einen Seite die Arbeit der Techniker einschränkt, macht sich auf der anderen Seite positiv in der Kasse bemerkbar. Zwar seien die Einsatzkosten für den Porsche 911 GT3 R mit dem RSR vergleichbar, aber der Einkaufspreis des aktuellen Modells liege nur bei 2/3. Und auch der Aufwand für die Anpassung gestalte sich durch die engen Regelgrenzen geringer.

Was brachte den Erfolg? Am Ende habe sein Team das Gesamtpaket nach vorne gebracht. Zuverlässigkeit, Strategie, Fahrerpaarung, Erfahrung, zählt Olaf Manthey auf. Auf dieser Line – so zeichnet sich ab – wird man auch 2011 bleiben. Bis zu acht Wagen betreute sein Team 2010 in der VLN, neben den erstmals vertretenen beiden Haribo-Porsches auch das Wochenspiegel-Team, das schon lange Jahre dabei ist. „Wir planen in der bisherigen Stärke mit all unseren bekannten Partnern.“

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