Die zwei Prozent zum Glück

01.05.2010 10:39

Ex-Porsche-Werksfahrer Kurt Ahrens wird 70

Kurt Ahrens
Kurt Ahrens. Foto: Tom Schwede

Er sah sich nicht als Profi-Rennfahrer, aber er war so schnell wie sie:  Am 19. April ist Kurt Ahrens 70 Jahre alt geworden. Von 1969 bis 1970 war der Braunschweiger Werksfahrer bei Porsche. Kurz danach verabschiedete er sich aus der Rennszene, mit 30 Jahren. Werde Profi oder komm in die Firma, sagte sein Vater Kurt Ahrens sen. damals zu ihm. Er wählte den Weg in den Betrieb seines Vaters, der einen großen Altmetallhandel führte. „Ich musste nie von der Rennerei leben“, blickt er zurück. So war er mit 98 Prozent auf der Rennstrecke unterwegs, ohne spektakuläre Unfälle, ohne den Druck, ganz ans Limit gehen zu müssen. Die zwei Prozent, die er nicht einsetzte, bescherten ihm ein Leben danach. Denn viele seiner Kollegen starben auf der Rennstrecke. PORSCHE FAHRER unterhielt sich mit Kurt Ahrens darüber, wie er diese Zeit heute empfindet.

1970 gewann Ahrens mit Vic Elford das 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring. Foto: Ahrens„Jo Siffert, Joakim Bonnier – was haben die die letzten 40 Jahre versäumt“, erinnert sich Kurt Ahrens an zwei Kollegen, die zum Ende seiner eigenen Karriere bei Autorennen ihr Leben ließen. Jedes Jahr verlor er Freunde, das bestärkte seinen Entschluss aufzuhören. Dazu kam: Das Porsche-Team-Salzburg, für das er 1970 unterwegs war, wurde nach der Saison1970 aufgelöst. „Ich hätte zu John Wyer wechseln können.“ Der Amerikaner brachte zu dieser Zeit erfolgreich die Porsche 917 an den Start. „Doch ich sprach nicht gut Englisch.“ Und als Fahrer musste man dort ins Profi-Lager wechseln. So ging Kurt Ahrens den Weg, den damals auch Hans Herrmann einschlug, nachdem er 1970 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans für Porsche gewonnen hatte: Ahrens zog sich zurück: Mit Jo Siffert erreichte er in der Saison 1970 noch einen zweiten Platz mit dem Porsche 917 in Kyalami, dann war Schluss. „Hans hat gesagt: Komm, hör auf, wir sind am Leben“, erinnert er sich an die Worte von Herrmann, zu dem er heute noch guten Kontakt pflegt. 

In Österreich gelang Ahrens 1969 der erste Sieg mit einem Porsche 917. Foto: AhrensKurt Ahrens hatte zu dieser Zeit schon die Basis gelegt für ein Leben nach dem Rennsport: Er hatte zwei Söhne und zwei Töchter, sein Vater brauchte ihn im Unternehmen. Nicht jedem Kollegen sei es gelungen, diesen Übergang so zu gestalten. Es ging dabei nicht nur um das Thema Geld: Vielen habe eine Aufgabe gefehlt, die sie auslastete. Und neben dem Beruf setzte er sich ein weiteres Ziel: Kurt Ahrens beschloss nach seiner Rennkarriere, erst einmal einen Flugschein zu machen.

Für Porsche war Kurt Ahrens in seinen beiden Jahren als Werksfahrer ein wichtiger Mann: Im August 1969 gelang es ihm zusammen mit Jo Siffert auf dem Österreichring, den ersten Sieg für Porsche auf einem 917 zu holen. Und Kurt Ahrens war es, der dabei war, als die Crew von John Wyer zwei Monate später dem Porsche 917 bei Tests seine endgültige Form verleih. Erst danach wurde der Rennwagen zu einem Siegertypen.

Mit der Nummer 25 startete Ahrens 1970 in Le Mans. Foto: AhrensDen ersten Le-Mans-Sieg für Porsche hatte er auch schon vor Augen: In der 18 Stunde führte er im Jahr 1970 zusammen mit Vic Elford im Langheck-Porsche 917 das 24-Stunden-Rennen in Le Mans an. „Dann brach auf der Start-Ziel-Geraden beim Beschleunigen ein Ventil am Motor. Einfach so. Ich habe den Motor nicht überdreht“, sagt er.

Als er bei der „Hockenheim Historic - In Memory of Jim Clark“ Mitte April wieder am Steuer von zwei Porsche 908 sitzen konnte, seien schon wieder alte Gefühle in ihm hochgestiegen: „Das Herz sagt, es geht los. Man ist immer noch ein Racer“. Doch der Kopf meldet, dass das Alter seinen Tribut fordert. Natürlich ist man nicht mehr so reaktionsschnell wie früher.  Und die Lebenserfahrung bringt es mit sich, dass man auf das Rennfahren mit anderen Augen sieht. „Mich fragen die Leute oft wie es war, nachts in Le Mans mit Tempo 250 bis 300 und mehr unterwegs zu sein. Ich war jung, und ich habe über das Risiko nicht nachgedacht.“

Kurt Ahrens und Vic Elford 1970 bei ihrem Sieg auf dem Nürburgring. Foto: AhrensHeute ist er mit seinen zwei Söhnen auf den Rennstrecken unterwegs, als Betreuer und Helfer. Alf Ahrens fährt mit einem Renault Clio in der ADAC-Procar-Serie, Mike Ahrens in der ADAC-Chevrolet-Cruze-Serie. Einladungen zu historischen Rennveranstaltungen hat er in diesem Jahr viele abgesagt. „Ich bin doch mit meinen Söhnen schon 23 Sonntage im Jahr unterwegs.“ Und zum Reden über alte Zeiten und das Geschehen heute an der Rennstrecke hat er einen guten Gesprächspartner: Sein Schwiegervater ist Siegfried Seifert. Der 89-Jährige war in der in der DDR ein erfolgreicher Rennfahrer. „Wenn wir an der Rennstrecke stehen und uns unterhalten, merke ich immer wieder, wie ein Lächeln über sein Gesicht geht.“

Homepage von Kurt Ahrens

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